Redtenbachers Bedeutung für den Maschinenbau

Ferdinand Redtenbacher, 1809 in Steyr geboren, und zum Professor für Maschinenbau in Karlsruhe (+ 1863) avanciert, ist als der „Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaues“ in die Geschichte eingegangen. Über sein legendäres Fachwissen hinaus, zeichnet ihn auch sein transdisziplinäres Denken und wissenschaftliches Arbeiten aus. Um diesen Geist Redtenbachers fortzuführen, haben sich Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Disziplinen, insbesondere aus der Technik, in einem Verein namens „Redtenbacher-Gesellschaft“ in Steyr zusammengeschlossen.

Wer war Ferdinand Redtenbacher?
Ferdinand Redtenbacher gilt als Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus. Geboren in Steyr, studierte er ab 1825 am Polytechnischen Institut und an der Universität in Wien und war anschließend von 1829 bis 1834 Assistent bei J. Arzberger an derselben Anstalt. 1835 wurde er an die Höhere Industrieschule in Zürich als Professor für Mathematik und Geometrie berufen. Im Jahr 1841 folgte er dem Ruf an das Polytechnikum Karlsruhe als Professor für Mechanik und Maschinenlehre und wurde dessen Direktor von 1857 bis 1863.

Empfehlenswerte Links zu Ferdinand Redtenbacher:
• Festschrift 1959 (siehe Downloadbereich)
• Wikipeda: Ferdinand Redtenbacher
• Ferdinand Redtenbacher: Der Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus, Universität Karlsruhe

 

Kurze Biographie:

Ferdinand Redtenbacher: Der Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus
• Quelle: http://www.mach.kit.edu/seite10201.php

  25.7.1809  in Steyr (Oberösterreich) geboren
 1820-1824 Kaufmännische Lehre
 1825-1829 Studium am Polytechnikum in Wien: Vorlesungen über Mathematik, Mechanik, Maschinenlehre, Theoretische  Astronomie, Technologie, Feldmesskunst und Straßenbaukunde
 1829-1834 Assistent der Maschinenlehre bei J. Arzberger in Wien
 1835-1840 Professor für Mathematik und geometrisches Zeichnen an der höheren Industrieschule in Zürich, Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Escher und Wyss
 1841-1863  Professor der Mechanik und Maschinenlehre am Polytechnikum Karlsruhe
 1857-1862 Direktor des Karlsruher Polytechnikums
 16.4.1863 in Karlsruhe gestorben
Unter der Leitung von Redtenbacher errang das Karlsruher Polytechnikum Weltgeltung und wurde zum Vorbild mancher Gründung oder Reorganisation anderer höherer technischer Bildungsanstalten wie beispielsweise der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) im Jahre 1855 in Zürich.
Die große Bedeutung Redtenbachers liegt in der Mathematisierung der Maschinenlehre, d.h. er führte den Maschinenbau von seiner vorwiegend handwerklich-empirischen Basis zur angewandten höheren Mathematik. Ferdinand Redtenbacher wies also durch die Berücksichtigung naturwissenschaftlicher Phänomene, beispielsweise beim Kraftmaschinenbau, den Weg zur Verwissenschaftlichung der Technik. Eine Vielzahl bekannter Maschinenbauingenieure wie Eugen Langen oder Emil Skoda studierte bei Redtenbacher. Die von Redtenbacher im Jahr 1847 vollzogene Trennung des Chemie- und Mechanikstudiums schuf die Voraussetzungen für den glanzvollen Aufschwung von Chemie und Maschinenbau am Karlsruher Polytechnikum.
Redtenbacher setzte sich für eine breite humanistische Bildung der Ingenieure ein und förderte die Fächer Philosophie, Geschichte, Literatur, Nationalökonomie sowie Staats- und Rechtskunde.


".. Übrigens muss ich Ihnen gestehen, dass mich diese Steuerungsgeschichten der Dampfmaschine und die ganze Maschine selbst schon seit langer Zeit nicht mehr interessiert. Auf ein paar Prozent Brennstoff mehr oder weniger kommt es nicht an, und mehr kann man durch derlei Tüfteleien nicht gewinnen. Ich halte es von nun an für lohnender, sich über die Wärme den Kopf zu zerbrechen und unseren jetzigen Dampfmaschinen den Garaus zu machen und das wird hoffentlich in nicht gar zu ferner Zeit geschehen, indem das Wesen und die Wirkungen der Wärme allmählich zur Klarheit kommen. Die Kapitalerfindung muss freilich erst noch gemacht werden, damit ... namentlich diese Maschinen ein mäßiges Volumen erhalten; aber das alles wird sich wohl finden, wenn man einmal über das innere Wesen der Sache ganz ins reine gekommen ist ..." (Redtenbacher 1856, zitiert nach: Propyläen Technikgeschichte, 4. Bd.,S.53)

EXKURS:
Hans Dieter Hellige: Leitbilder und historischgesellschaftlicher Kontext der frühen wissenschaftlichen Konstruktionsmethodik

• Daraus zum Stichwort „Redtenbacher“:


Die Entstehung von Rationalisierungsleitbildern in der frühen Konstruktionslehre des deutschen Maschinenbaus:

Den Begriff "Konstruktionslehre" gibt es seit den Anfängen einer Verwissenschaftlichung des Maschinenbaus. Doch Gegenstand dieser frühen Konstruktionslehre war nicht der Arbeits- und Denkprozess des Konstruierens, sondern die physikalisch-mechanische Wirkstruktur des zu schaffenden technischen Gebildes, d.h., des Maschinen- oder Apparatesystems und seiner Elemente. Die klassische Konstruktionslehre fiel also noch weitgehend
zusammen mit der Maschinentheorie bzw. der Allgemeinen Maschinenwissenschaft. Als ihr eigentlicher Begründer kann der Karlsruher Professor der Mechanik und Maschinenlehre Ferdinand Redtenbacher (1809-1863) angesehen werden. Er unternahm es in seinem Hauptwerk "Prinzipien der Mechanik und des Maschinenbaus" von 1852, das ganze Maschinenfach auf sichere Regeln zurückzuführen, die das technische Wissen nach Möglichkeit quantifizieren. Dieser Anlauf zu einer Objektvierung und Mathematisierung sollte nach Ansicht Redtenbachers speziell in Deutschland "mangelndes Geld und eingeschränkte Erfahrung" kompensieren. Das hier wohl zuerst auftretende Motiv der Rationalisierung von Konstrukteurerfahrungen wird jedoch gleich wieder eingeschränkt. Da die Vielzahl praktischer Besonderheiten ein "wahres System für die Maschinenlehre" nicht zulasse, könne auf ein an der Erfahrung geschultes Konstruktionsgefühl, einen ausgebildeten "Zusammensetzungssinn, Anordnungssinn und Formensinn" nicht verzichtet werden: "Mit den wissenschaftlichen Prinzipien allein ist im praktischen Wirken nichts auszurichten.
Dieselben sind vortrefflich zur Ermittlung gewisser Grundbedingungen, denen die zu realisierenden Dinge entsprechen sollen, dies sind aber meistens nur einige wenige größere Verhältnisse und alles übrige, was zur Verwirklichung gehört, muss in der Regel teils nach Erfahrung und empirischen Regeln oder nach dem Gefühl angeordnet und ausgebildet werden. (...) Das Erfinden und Machen des Technikers beruht nicht bloß auf Wissenschaft und Handwerk, sondern auch, und zwar in nicht geringem Grade, auf Geistestätigkeiten, die künstlerisch genannt werden müssen."  Insgesamt gab Redtenbacher der Erfahrung als "bester Schule" noch den Vorrang, doch sollte der Konstrukteur zunehmend Lösungen anstreben, "in denen man durch Versuche oder durch rein wissenschaftliche Mittel schneller und sicherer das Ziel erreichen kann."
Gegenüber diesem Kompromiss von wissenschaftlichem und künstlerischem Verständnis des Konstruierens bemühte sich Redtenbachers Schüler Franz Reuleaux (1929-1905) um die Begründung einer streng wissenschaftlich-deduktiven Konstruktionslehre. Der deutsche Maschinenbau war seiner Meinung nach gegenüber der "alles bezwingenden Konkurrenz" nur durch die "Anwendung eines geregelten Konstruktions-Verfahrens" überlebensfähig. Dieses sollte verhindern, dass wie bisher, unpassende Formen gewählt werden, unnötige Modellkosten entstehen, und infolge ängstlicher Vorsicht überdimensioniert werde. Das erklärte Hauptziel seiner "Construktionslehre für den Maschinenbau" von 1854 war, "solchen Fabriken, welche nicht in der Lage sind, eine große Fülle von eigenen Erfahrungen haben sammeln zu können, die wissenschaftlich gestützten Folgerungen aus einer Summe von Erfahrungen zu bieten, welche, da sie den bewährtesten Ausführungen entnommen sind, wohl als maßgebend für neue Entwürfe betrachtet werden können."  Reuleaux wollte den in der deutschen Industriellen Revolution zu Tage getretenen 'Engpaß Konstruktion', also durch eine Konstruktionslehre beheben, die das langwierige Sammeln von Erfahrungen komprimiert und dieses Erfahrungswissen in Form von exakten wissenschaftlichen Regeln und Gesetzen deduzierbar und damit lehrbar macht. (S. 6 bis 10)

Verwendete Quellen:
6. Ferdinand Redtenbacher, Prinzipien der Mechanik und des Maschinenbaus, 2. Aufl., Mannheim 1859. Allgemein zu Redtenbacher siehe Klaus Mauersberger: Jacob Ferdinand Redtenbacher, in: Gisela Buchheim, Rolf Sonnemann (Hg.), Lebensbilder von Ingenieurwissenschaftlern, Leipzig 1989, S. 43-59;ders., Die Herausbildung der technischen Mechanik und ihr Anteil bei der Verwissenschaftlichung des Maschinenwesens, in: Dresdner Beiträge zur Geschichte der Technikwissenschaften, Heft 2 (1980), S. 21ff.
7. F. Redtenbacher, Resultate für den Maschinenbau, 2. Aufl., Mannheim 1852, S. IV (Vorrede zur 1. Aufl.) ("Eine Schule, welche für die Verfolgung der mechanisch-technischen Richtung eine geeignete Vorbildung geben will, darf also durchaus nicht eine einseitige wissenschaftliche Richtung verfolgen, sondern sie muß trachten, alle Kräfte zu wecken und zu üben, welche für den Beruf eines Zeichners, eines Constructeurs, eines Ingenieurs und eines Fabrikanten von Wichtigkeit sind." ebda.); ders., Principien, a.a.O., S. 296.
8. F. Redtenbacher, Die Polytechnische Schule, in: Die Residenzstadt Karlsruhe, Festgabe zur 34. Versammlung der Naturforscher und Ärzte, 1858, S. 140, 151.
9. F. Redtenbacher, Principien, a.a.O., S. 285.
10. Carl L. Moll, Franz Reuleaux, Constructionslehre für den Maschinenbau, 2 Bde.
http://www.uni-wuppertal.de/universitaet/veroeff_broschuer/p_pics/Jahresbericht07.pdf

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