Präsentation zum 200. Geburtstag erstellt von Uni Karlsruhe KIT (1809 - 2009)

Tipp: auf Bilder klicken zum Vergrößern

  • Redtenbacher1
  • Redtenbacher10.Heirat.1837
  • Redtenbacher11.Karlsruhe.Berufung.1841

Berufung nach Karlsruhe

von Wolfgang Hack (2009)


Am 17. Juli 1840 erhielt Prof. Ferdinand Jakob Redtenbacher die Berufung an die polytechnische Schule zu Karlsruhe. Infolge zuerst unklarer Zuständigkeiten und Lehrfachverteilungen erfolgte die definitive Ernennung zum Professor an der polytechnischen Schule in Karlsruhe mit einem Jahresgehalt von 1500 Gulden am 24. Dezember 1840. Die Übersiedelung nach Karlsruhe erfolgte im Sommer 1841. Die nächsten Jahre waren ganz dem Unterricht und der Bearbeitung aller der wissenschaftlichen Probleme gewidmet, welche sich während der Entwicklung des Maschinenbaues von selbst herandrängen.

„Zur selben Zeit schrieb der Stadtschreiber von Steyr, den gespitzten Gänsekiel in schwarze Tinte tauchend, in ein mächtiges Buch: Herbst achtzehnhundertachtundvierzig. Der hochlöbliche Gemeinderat zu Steyr bekam heute die  ehrenvolle Mittheilung, dass der hierorts am fünfundzwanzigsten Juli achtzehnhundertneun geborene Jakob Ferdinand Redtenbacher als Professor am Polytechnischen Institut in Karlsruhe Weltruf genießt“


Seine Vaterstadt Steyr schlug ihn 1848 als Vertreter ins Deutsche Parlament, welches in Frankfurt tagte, vor. Er lehnte die Wahl trotz seiner Vorliebe für das politische Leben ab, weil er mit richtigem Blick schon damals voraussah, dass die Verhandlungen des deutschen Parlaments zu keinem Resultat führen würden. „Es war ein Akt der Verlegenheit, als das Parlament, ohne selbst Macht zu besitzen, damit begann, einen machtlosen Reichsverweser in der Person Erzherzog Johanns einzusetzen.“
„Hier in Karlsruhe verbrachte er die Reifejahre seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Mit Tatkraft und Eifer stellte er sich der Aufgabe, jene Pläne, die er schon in Wien und Zürich hegte, einer Realisierung näher zu bringen. Was schon in seinen Assistenzjahren vorgezeichnet war, konnte sich hier voll entfalten: der feste Wille, den Maschinenbau wissenschaftlich zu fundieren und die „Erziehung der Industrie“ voranzubringen. Redtenbachers Verdienst war der weitere Ausbau des streng gegliederten Fachschulsystems, das vom Grundsatz der Arbeitsteilung geeint wurde. Zielstrebig verfolgte er die Errichtung einer selbständigen mechanisch – technischen Abteilung, die ab 1860 zur Maschinenbauschule erhoben wurde. Nur so konnte den Erfordernissen der Mechanisierung der Produktion Rechnung getragen werden. Institutionelle Vorzüge im Verein mit hohen theoretischen Ansprüchen erhoben diese Einrichtung als erste in Deutschland de facto in den Rang einer Hochschule. Mit der enormen Zahl von 360 Zuhörern, davon 227 eigentlichen Studenten, war sie zudem in ihrer Blütezeit die weitaus größte und wurde hinsichtlich der Studentenzahlen nur von den technischen Bildungseinrichtungen in Prag und Wien übertroffen. Schließlich lässt auch die hohe Zahl der Lehrkräfte, das Kollegium zählte 38 Mitglieder, auf eine intensive Ausbildung schließen. Einer seiner Schüler berichtet über seine Vorlesungen:


“Wenn er sprach und agierte, so sah man die Räder sich drehen, Gestänge hin– und hergehen; man
sah Massen beschleunigen oder verzögert werden; jeden Stoß, jede Erschütterung die auf irgend ein
Maschinenteil einwirkt, konnte man von seinem ganzen Körper empfunden und auch dargestellt
sehen, bis zu den Dampfkesselexplosionen, die man sich vorbereiten und entwickeln sah, wobei er
auch manchmal den Explosionsvorgang mit einem wirklich klatschenden Knall abschloss.“

Redtenbachers Wirken bestimmte bald das wissenschaftliche Niveau seiner Lehranstalt. Demgemäß wurde ihm 1857 das Amt des Direktors übertragen. Unter seiner Leitung errang das Karlsruher Polytechnikum Weltgeltung und wurde zum Vorbild mancher Schulgründung bzw. Reorganisation im In– und Ausland.

  • Die wichtigsten Werke schrieb Prof. Ferdinand Jakob Redtenbacher in Karlsruhe:
    Theorie und Bau der Turbinen, 1844
    Theorie und Bau der Wasserräder, 1846
    Resultate für den Maschinenbau, 1848
    Die Principien der Mechanik und des Maschinenbaues, 1852
    Die Luft-Expansionsmaschine, 1853
    Die Gesetze des Locomotivbaues, 1855
    Die Bewegungsmechanismen, 1857
    Das Dynamidensystem, 1857
    Die anfänglichen und gegenwärtigen Erwärmungszustände der Weltkörper, 1861
    Der Maschinenbau, 1863


Eine Vielzahl bekannter Maschinenbauingenieure studierte bei ihm:


Carl Benz:  Erfinder des Automobils
Eugen Langen gründet mit N. August Otto die erste Motorenfabrik der Welt
Emil Skoda: Gründer des Maschinenbaukonzerns Skoda
König: Sohn des Erfinders der Buchdruckschnellpresse
Oskar Henschel: Lokomotivfabrikant
Heinrich Sulzer: Maschinenfabrikant aus Winterthur
Heinrich v. Buz:  Begründer der Maschinenfabrik Augsburg – Nürnberg AG.
Max Gritzner: Gründer der Nähmaschinenfabrik Gritzner, gegr. 1872
Releaux Franz:  Bedeutender Techniker, studierte 1850 bis 1852 bei Prof. Redtenbacher
I.A.Wyschnegradski:  Russischer Wissenschaftler, 1831 – 1895, „Theorie des Regelkreises 1877“

Im Jahr 1861 zeigten sich erste Spuren eines „Magencatharrs“, trotz des Leidens hielt er unvermindert Vorlesungen, bis im Herbst 1862 sich das Leiden so sehr verschlimmerte, dass auch der Unterricht notlitt und nach Weihnachten eingestellt erden musste und Prof. Redtenbacher am 16. April 1863 an Magenkrebs verstarb.

Joomla templates by a4joomla