Heimatstadt Steyr (von Wolfgang Hack, 2009)

  • 1805.FranzosenSteyr
  • 1830.Zeichnung.Loew.Steyr
  • Gedenktafel

Das Geburtsjahr stand im Zeichen der Kriegserklärung Österreichs an Frankreich am 9.April 1809.
Bereits 1800 waren die Franzosen in Steyr eingerückt, am 25.12.1800 wurde in der Apotheke des
Herrn Göppel, Zwischenbrücken, ein Waffenstillstand geschlossen, dem der Friede von Luneville
am 9.2.1801 folgte.
Am 5.11.1805 rückten die Franzosen im 3. Koalitionskrieg abermals in Steyr ein und verlangten
wieder sehr große Leistungen von der Stadt. Die Stadt blieb bis zum 1. März 1806 besetzt.
„Im Jahre 1809 waren die Soldaten Napoleons zum dritten Male in Steyr.
Am 3. Mai erteilte der Korse, der damals mit seinem Stabe in Marchtrenk weilte, an Marschall
Lannes den Auftrag, mit dem 2. Armeekörper gegen Steyr vorzurücken.

Der österreichische General Nordmann, dem alle an der Enns und Traun befindlichen Truppen
unterstellt waren, musste sich vor den französischen Truppen zurückziehen und traf gegen
Mitternacht in Steyr ein.
Am frühen Morgen des 4. Mai steckte er die beiden Ennsbrücken in Brand und marschierte dann
mit seiner Brigade in Richtung Weyer ab.
Gegen 10 Uhr rückte Marschall Lannes mit ungefähr 10.000 Mann in Steyr ein und gab sofort
Befehl zum Bau einer Schiffbrücke oberhalb des Neutores.
Als diese am 5. Mai passierbar war, zog der größte Teil der feindlichen Truppen in Richtung
St. Peter weiter.
Die Gesamtkosten dieser Invasion, die erst am 4. Jänner 1810 ihr Ende fand, beliefen sich auf etwa
502.000 Gulden.“

Die Stadtgeschichte dieser Zeit beschreibt nachfolgend (auszugsweise) als Augenzeuge der
gebürtige Steyrer Franz Xaver Pritz, regulirter Chorherr zu St. Florian, k.k. Professor des Bibel –
Studiums des alten Bundes am Lyceum in Linz und Verfasser der
„Beschreibung und Geschichte der Stadt Steyer und ihrer nächsten Umgebungen,
Linz, bey Quirin Haslinger, 1837:“
„Am 7.9.1810 beehrten S.M. Kaiser Franz und die Kaiserinn mit der Erzherzoginn Leopoldine die
Stadt Steyrer mit Ihrer Gegenwart, und übernachteten dasselbst.
Gegen Ende des Jahres legte Herr Preureutter sein Amt als Bürgermeister nieder, und ward
Syndikus zu Gmunden.
Von dieser Zeit an bis 1819 ward die Stelle nicht besetzt, sondern der erste Ratsherr, Werloschnigg
von Bernberg, leitete die Geschäfte beim Magistrate
Der Krieg von 1809 hatte die Nationalschuld und die Menge des Papiergeldes ungeheuer gesteigert,
der Staat sah sich daher genöthiget zur Verbesserung der Finanzen die Bankozettel auf den fünften
Theil ihres Nennwertes herabzusetzen. Das Dekret über die ganze Finanzoperation wurde am
15.3.1811 um 5 Uhr morgens bekannt gemacht, und erregte viele Missverständnisse und
Besorgnisse
Am 11. September 1813 war zu Steyer eine große Überschwemmung, durch Regengüsse in den
Gebirgen verursacht.
Die Steyer und noch mehr die Enns wuchsen zu einer sehr bedeutenden Höhe heran, das Wasser
stand nur um drey und einen halben Schuh niedriger als 1736, doch erlitten die Brücken keinen sehr
großen Schaden.
Am 30. Juni des Jahres 1815 war schon wieder das hier nicht seltene Schauspiel einer
Überschwemmung; der Steyrfluß schwoll so hoch an, dass er über die Mitte der Brücke hereinfloß,
und fast die Höhe von 1736 erreichte.
Die Enns war aber nicht so hoch, ja niedriger als 1813.
Die Neubrücke blieb unbeschädigt, aber von der Ennsbrücke wurde ein Joch weggerissen und zwey
Holzflöße, welche an der Stadtmauer angehängt waren, aber sich losrissen, und an die Brücke
stießen.
Auf dieses nasse, düstere Jahr folgten nun zwey ausgezeichnete an Elend und Noth, wie sie zum
Glück nur selten in der Geschichte Österreichs erscheinen.
1816 war immer trübe, nasse Witterung, Schnee, Eis und Kälte herrschte noch im April, am
16. May fror das Wasser, der Schnee lag bis gegen den Dammberg herzu.
Die Aussicht auf eine gute Ernte schwand, die Monathe Juny, July, August und September waren
immer regnerisch, die Ernte schlug gänzlich fehl, und die Theuerung stieg ungemein hoch.
Dazu kam noch der Mangel an Arbeit, und der Stillstand des Handels, eine dumpfe
Niedergeschlagenheit bemächtigte sich aller Gemüther.
Wohl schöpfte man neue Hoffnungen beym Beginne des Jahres 1817, allein umsonst, die
Theuerung, durch Wucher vergrößert, stieg immer.
Der April begann wohl schön, und Alles freute sich des kommenden Frühlings, aber plötzlich trat
ein neuer Winter ein, am 11., 12. und 13. Schnee und Kälte, die immerzu zunahm, und mit ihnen
die Theuerung; der M. Weizen kostete 42 fl., Roggen 38 fl.

 


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