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Von Steyr nach Linz und ans Polytechnikum in Wien

von: Wolfgang Hack (2009)

Sofort nach Beendigung dieser Lehrzeit, vom Januar 1825 bis 1. September, war F. Redtenbacher bei der k.k. Baudirektion in Linz, wie sein vom Baudirektor Mayer dato 9. September ausgestelltes  Zeugnis ausweist, „im Zeichnen jeder Art Baupläne und zur Aushilfe bei geometrischen Aufnahmen verwendet“.


Wohl darf man annehmen, dass dieser genügend vorbereitet zu der Baudirektion in Linz kam, denn es erinnern sich jetzt noch alte Leute in Steyr sehr gut, dass er mit ungewöhnlichem Eifer während aller freien Stunden in den Büchern studirte, die ihn interessirten, und neben seiner Thätigkeit bei der Baudirektion in Linz liess er in seinen Privatstudien der mathematischen Anfangsgründe nicht nach, so dass er auch ohne eine besondere Lehrzeit in diesen Fächern mit tüchtigen Kentnissen ausgerüstet in´s Polytechnikum in Wien eintreten konnte. Dort war das erste Lehrjahr ausschliesslich der Elementarmathematik und Technologie gewidmet, wozu seine Vorkenntnisse sicherlich genügten. An der Wahrheit dessen ist aber nicht zu zweifeln, was Redtenbacher`s Freunde bezeugen, dass sein Wissensdrang und der Glaube an eine höhere Bestimmung ihn und in Folge dessen auch seinen Freidenkenden Vater veranlassten, Wien zum Studienorte für die Zukunft zu wählen. Damals reiste man von Steyr meistens auf einem Floss stromabwärts über Mauthausen nach Wien,
und so wird es auch Redtenbacher gemacht haben, als er seiner neuen Laufbahn entgegen ging.“

Studien– und Assistentenzeit in Wien
In Wien wohnte Ferdinand bei seinem Vetter Josef Redtenbacher zusammen bei einer älteren achtungswerthen Dame, Frau v. Bourgois, auf der Wieden, unweit der Carlskirche. Bei seinem Onkel Ignaz Redtenbacher, einem Grosshändler in Colonialwaren, Firma Redtenbacher – Hipper, pflegte Ferdinand mit seinem Vetter Franz Mittags zu verweilen. Die Studien in Wien nahm Ferdinand sehr ernst, wie man an seinen Diplomen ablesen kann:


Der Elementarmathematik
Der Technologie
Der höheren Mathematik
Der Physik
Der Maschinenlehre und Maschinenzeichnung
Der Feldmesskunst, Planimetrie, Landvermessung, Theorie der Landkartenzeichnung, Nivelliren
und Höhenmessen, Zeichnen geometrischer Pläne und Karten, praktische Vermessungen
Der Land – und Strassenbaukunde, Wasserbaukunde, Bauökonomie, Zeichnen architektonischer Pläne
Der höheren Mathematik
Der theoretischen Astronomie


Alle diese Zeugnisse tragen die Noten, „dass der Betreffende die Vorlesungen ununterbrochen besucht und bei der hieraus abgehaltenen öffentlichen Prüfung die erste Klasse mit Vorzug erhalten, dass ferner sein sittliches Betragen den akademischen Gesetzen vollständig entsprochen habe“.
Professor Karmasch: „ Redtenbacher bestand damals in Wien die Einrichtung sogenannter Tentamina, öffentlicher feierlicher Prüfungen am Schluss des Schuljahres, wozu die Professoren die Elite ihrer Schüler, stets in sehr kleiner Anzahl, stellten. Schon nach dem ersten Jahr bestand Redtenbacher das Tentamen aus der reinen Elementarmathematiuk, woran ausser ihm nur 3 Andere Theil nahmen. Nach dem Schlusse des zweiten Schuljahres unterzog er sich dem Tentamen aus der höheren Mathematik gemeinschaftlich mit vier Anderen“.
Von 1829 an wurde F. Redtenbacher zuerst auf zwei Jahre und nach Ablauf derselben abermals auf zwei weitere Jahre zum Assistenten der Maschinenlehre am k.k. polytechnischen Institut ernannt.  Dr. Haller schreibt über diese Jahre:“ Einer der gefeiertsten Männer jener Zeit, der Professor der Mechanik am Institute, Arzberger, wählte ihn zu seinem Assistenten und eröffnete ihm die Bahn, die zu so glänzendem Ziele geführt hat. Ferdinand gedachte stets seines Lehrers nicht blos mit
dankbarer Verehrung, sondern in hoher Anerkennung seines geistigen Strebens; ich erinnere mich, dass er wiederholt ihn als Erfinder des Dampfwagens bezeichnete….“

Die Zeit der Ferien brachten wir in der Heimath zu und regelmässig wurde ein Theil derselben gleichzeitig mit seinem Bruder Alois und seinem Vetter Joseph zu Fusswanderungen durch das schöne Alpenland Oberösterreich und Salzburg verwendet.
Aber auch dabei stand der Drang fachlichen Strebens nicht stille.
Als zweithöchste Kuppe der oberösterreichischen Alpenwelt ragt der 2531 Meter hohe Priel empor.Ausser Gemsjägern und vereinzelten Bergsteigern hatte sie Niemand erklommen. Allen wohlgemeinten Abmahnungen von dem gefahrvollen Unternehmen zum Trotze, wagten wir uns daran, aber wie Ferdinand meinet, nicht bloss die grossartige Rundschau sollte uns reizen, auch ein wissenschaftlicher Zweck sei damit zu verbinden und die Höhe des Berges barometrisch zu messen. Jetzt freilich, wo jeden Sommer zahlreiche Alpenhöhen erstiegen werden und gar viele Touristen mit dem Aneroid in der Tasche die Höhe abmessen, erscheint das unbedeutend; damals hatte das Wagstück und die Höhenmessung einen anderen Werth, sie wirkte anregend und bahnbrechend auf diesem Gebiete. Dasselbe geschah im nämlichen Sommer 1830 mit dem grossen Watzmann bei Berchtesgaden in Bayern. Eine jener Zeit berühmte und einzig dastehende Wasserhebemaschine pumpt bei Berchtholdsgarden die Soole über den Berg in das Sudhaus zu Reichenhall. Das Maschinenhaus ist verschlossen; ein Aufseher öffnet es zur flüchtigen Besichtigung, verwehrt aber jedes zeichnen. Ferdinand betrachtete aufmerksam die Maschine und erbat sich die Erlaubnis, während die anderen rasteten, nochmals kommen zu dürfen. Das wurde gestattet; die kurze Zeit genügte, ihm die Maschine vollkommen klar zu machen, sie zu skizzieren und mit allen ihren Details zu Hause auszuzeichnen, und er hat, wenn ich nicht irre, die damals übliche Geheimthuerei  in einer technischen Zeitschrift den Fachgenossen aufgedeckt.

Die Assistenzzeit war mit Sommer 1833 zu Ende.
Es folgte jedenfalls wieder einer der üblichen Aufenthalte in der Heimath und in den
österreichischen Alpen, aber auch eine Zeit der Ungewissheit über die Zukunft.

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