• Redtenbacher10.Heirat.1837
  • Redtenbacher8.Firma.Escher.Wyss
  • Redtenbacher9.Zuerich.Zeichnungen

Die Züricher Jahre 1834 bis 1840

von: Wolfgang Hack (2009)

 

Berufung nach Zürich:
Unter Datum 26. April 1834 erfolgte von dem Präsidenten des Erziehungsrathes von Zürich, Herrn Hirzel, die Ernennung zum Lehrer der Mathematik und des geometrischen Zeichnens an der oberen Industrieschule provisorisch auf ein Jahr mit einem Jahresgehalt von 1800 Franken. Ein Jahr darauf, 11. April 1835 wurde diese Lehrstelle in eine Professur verwandelt mit gleichem Gehalt und Zusage einer Erhöhung desselben nach 3 Jahren auf 1984 Franken. 1836 verlobte sich Ferdinand Jakob Redtenbacher anlässlich einer Herbstferienreise mit seiner Cousine Marie Redtenbacher, 1837 fand die Verehelichung statt und aus dieser Ehe entsprangen 2 Kinder, Marie und Rudolf.

Kinder:
„Rudolf Redtenbacher wurde am 17. Mai 1840 in Zürich geboren. Er studierte erst Maschinen - und Ingenieurwesen, dann bevorzugt Architektur. Nach seinem Studium war er bei den Wiederherstellungsarbeiten des Mainzer Domes, beim Ausbau
des Doms zu Regensburg und bei der Instandsetzung des Doms von Frankfurt /Main tätig. Dann wandte er sich umfangreichen kunstgeschichtlichen und theoretischen Studien zu, zu welchen ihn eine hervorragende Begabung  befähigte. Die Hoffnung, aufgrund seiner vorzüglichen wissenschaftlichen Leistungen eine Professur und Lehrtätigkeit in Deutschland zu erzielen, schlug fehl, sodass er in den letzten Jahren seines Lebens nach vergeblichem Ringen und Kämpfen einer trüben und gereizten Stimmung verfiel.“
Sterberegister der Stadt Freiburg/Breisgau: Architekt Rudolf Redtenbacher, 45 Jahre alt, katholischer Religion, wohnhaft Freiburg Werderstrasse 8, geboren in Zürich, Sohn des großherzoglich badischen Hofrats Professor Ferdinand Redtenbacher und dessen Ehefrau Marie, geb. Redtenbacher, gestorben am 22.12. 1885 nachmittags „zwei und eineinhalb Uhr.“
Über die Tochter Marie war bisher nichts zu erfahren.


In der Züricher Zeit interessierte sich Prof. Redtenbacher sehr für die Reform der industriellen Lehranstalten. Sie gaben ihm viel zu denken und Bemerkungen aus seinen Notizbüchern 1840 – 1841 (Auszug) beziehen sich auf seine Auffassung von Zielen, Mitteln und Wegen, sowie Methoden des technischen Unterrichts:
„Meine Bestrebungen als Lehrer richten sich nicht allein auf die wissenschaftliche Theorie der Maschine, mir liegt die Cultur des industriellen Publikums im Allgemeinen am Herzen. In der Anwendung der Naturkräfte hat man in der That bereits eine grosse Virtuosität erlangt, aber an der humanen Entwicklung des industriellen Publikums fehlt es noch sehr. Wer ist daran schuld? Keinem Einzelnen, Allen zusammen muss sie aufgebürdet werden. Die Industrie wird jetzt nur als Zweck betrieben und nicht als Mittel. Wenn die Gebildeten den gegenwärtigen Zustand der Industriellen roh nennen, so haben sie recht, wenn aber jene glauben, es vertrage sich eine ächte Bildung gar nicht mit einer industriellen Thätigkeit, dann haben sie unrecht; leider ist das die vorherrschende Ansicht, welche im höchsten Grad nachtheilig und hemmend auf die industrielle Entwicklung Deutschlands gewirkt hat. Einem Stand, der nicht geachtet ist, werden sich nicht leicht Menschen von Talent und edler Gesinnung zuwenden."

Über die Industrie gibt es so viele Fragen zu beantworten:
1. Wie hat sich die Industrie entwickelt?
2. Welches ist der gegenwärtige Standpunkt derselben?
a) der Fabrikanten
b) der arbeitenden Klasse
c) der Industrieschulen
3. Ist ein höherer wissenschaftlicher Standpunkt möglich in der Industrie?
4. Welches sind die guten Wirkungen in der Industrie?
5. Welches sind die nachtheiligen Wirkungen?
6. Unter welchen Bedingungen ist ein industrielles Unternehmen für ein Land vortheilhaft?
7. In welchem Verhältnis stehen Ackerbau und Industrie?
8. Was kann ein Staat thun, um die industriellen Klassen zu heben?
9. Haben die Wissenschaften der Industrie Dienste geleistet und welche?
10. Welche Veränderungen hat durch die Erfahrung die Industrie auf die sittlichen Zustände der Bevölkerung der Länder hervorgebracht?
11. Unter welchen Bedingungen sind Zollsysteme gut und nothwendig?
12. Der Besitz ist die Basis, auf welcher ein Volk unabhängig wird, er muss aber als Mittel, nicht als Zweck betrachtet werden.
13. Die Deutschen haben nach gewissen Seiten hin bis jetzt allerdings mehr geleistet als andere Nationen, aber in ihrem Dichten und Trachten haben sie die materielle Basis vergessen, auf welcher es allein nur möglich ist, eine geistige Freiheit zu gründen. Zum Nachtheil der Wissenschaft haben sie sich vom Leben getrennt und jede befruchtende Rückwirkung entzogen.“


Zweck einer Industrieschule überhaupt:
„Der Zweck einer Industrieschule geht aus dem Wesen der Industrie überhaupt hervor. Alle Arbeiten werden durch die Hand, durch einfachere Werkzeuge, die durch die Hand regiert werden, oder durch Maschinen verrichtet, die in der Regel nicht durch die Hand, sondern durch thierische, Wasser- oder Dampfkräfte bewegt werden. Handarbeiten oder Arbeiten mit Werkzeugen werden vorzüglich durch die Handwerker verrichtet, grössere, ausgedehntere Arbeiten dagegen in Fabriken etc. Eine Schule für industrielle Zwecke hat daher entweder:

1. die arbeitende Klassen auszubilden, oder

2. die Leiter grösserer industrieller Anstalten, d.h. Ingenieure und Fabrikanten.
Die Ausbildung der Handwerker ist Aufgabe der Gewerbeschule.
Die Ausbildung der Fabrikanten, Ingenieure ist durch die höhere Industrieschule zu erreichen.
Die Aufgabe einer Industrieschule ist als gelöst anzusehen, wenn sie ihre Zöglinge mit denjenigen Vorkenntnissen und Fertigkeiten ausrüstet, welche in wohleingerichteten Fabriken beim Eintritt gefordert werden.
Eine vollständige praktische Ausbildung kann in einer Schule nicht erreicht werden. Da die Fabrikanten selbst keine wissenschaftlich technische Bildung sich angeeignet haben, sondern in der Regel eine rein praktische Laufbahn durchgemacht haben, so fordern sie denn auch bei jungen Leuten, die in die Fabrik eintreten wollen, keine wissenschaftliche Vorbildung, sondern nur gewisse Fertigkeiten, welche sie befähigen, irgend eine bestimmte Arbeit gleich beim Eintritt übernehmen zu können.
Eine Industrieschule, welche den ganzen gegenwärtigen Bedürfnissen des industriellen Publikums entsprechen soll, muss also dahin vorzüglich wirken, den Schülern jene Fertigkeiten beizubringen, die eben vom Fabrikanten gefordert werden. Wollte man aber bloß den allein den Bedingungen genügen, welche die Fabrikanten machen, so würde eine Schule ihre Zöglinge gerade nur abzurichten haben, nicht aber allgemein ausbilden.

1. Was ist das Ziel?
2. Auf welchem Standpunkt befindet man sich?
3. Welches sind die nächsten Schritte?
Diese Überlegungen zeigen, dass die Jahre in Zürich ein Nachdenken über die Verwissenschaftlichung des Maschinenbaues und die Profilierung der technischen Bildung einleiteten.

 Am 3. September 1834 wurde Prof. Redtenbacher zum Ehrenmitglied der zürcherischen naturforschenden Gesellschaft ernannt, am 13. April 1841 zum korrespondierenden Mitglied des niederösterreichischen Gewerbevereins.

Bericht über den berühmten Redtenbacher in Steyr:
In Steyr erfuhr auch Josef Werndl von den Ideen und Leistungen Prof. Redtenbachers durch einen Schlosser namens Martin Pachler bei einem Gespräch im Extrazimmer des Wirtshauses „Zur Ewigkeit“ : „In der Schweiz hab´ ich bei Escher in Zürich gearbeitet. Der baut mächtige Dampfmaschinen und Dampfschiffe. Sind tüchtige Leute die Schweizer, bedächtig und fortschrittlich. Bei Escher gab es große Zeichnungen, nach denen die Maschinenteile gegossen oder geschmiedet wurden.
Diese hat ein Landsmann von euch, ein Steyrer, zuerst berechnet und dann entworfen. Redtenbacher heißt er und ist Rechenlehrer an der Züricher Industrieschule.  Wenn er uns seine Zeichnungen erklärt hat, da haben wir gesehen, wie die Kolben und Stangen hin und her gehen, wie die Räder sich drehen, wir Schwung in die Maschine kommt. Wisst ihr Steyrer was von eurem Ferdinand Redtenbacher? Nichts wisst ihr, höchstens, dass er vor Jahren Stanizeldreher und Pudelhupfer bei einem Kaufmann in der Enge 46 g`wesen ist. Einst wenn der Herr Redtenbacher gestorben sein wird, werdet ihr daraufkommen, was ihr von diesem Manne hättet lernen können. Inzwischen setzen sich die gescheitesten Köpfe aus
Deutschland, aus England, ja sogar au Amerika beim Herrn Redtenbacher suf die Schulbank und lernen, wie man Maschinen berechnet und baut. Wenn ihr dann eure Messer und Gabeln, eure Flintenteile und Ladestöcke nimmer verkaufen könnt, weil dir sogenannte „Schmutzkonkurrenz“ sie rascher und billiger liefert, dann werdet ihr schimpfen.

Den Herrn Redtenbacher hat´s recht gefreut, wie ich mich als oberösterreichischer Landsmann aus Linz hab´ zu erkennen gegeben. Die Hand hat er mir drückt wie einen alten Bekannten und ich hab ihm net g´nug berichten können. Später hat er mich sogar auf Probefahrt mit dem Dampfschiff mitgenommen.“ (aus: Kernmayr-Doppler, Leopold Werndl und Sohn.)
Später, als junger Waffenfabrikant, führte Josef Werndl „einen erfreulichen Briefwechsel mit Professor Redtenbacher.

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