Pressebeitrag in "Autorevue" 18.1.2017

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Autorevue" verfasste Rudolf Skarics einen Beitrag mit dem Titel "Die 10 besten österreichischen Autoerfinder". Darin führt er am 1. Platz Ferdinand Redtenbacher als Pionier und Wegbereiter an.

Hier folgen der Link zum Beitrag und eine Kopie aus "Autorevue" 18.01.2017

1. Ferdinand Redtenbacher:  1809 (Steyr) bis 1863 (Karlsruhe)

Der große Lehrmeister

  • 1.Redtenbacher
  • 10.Piech
  • 2.Marcus

Die Nummer eins unter Österreichs Pionieren ist unbestritten Ferdinand Redtenbacher. Bei ihm gibt es keine Streitigkeiten um Patentmeldedaten, denn zu seiner Zeit begann sich das Auto gerade erst als vage Vorstellung in den Köpfen der Menschen zu formen, von konkreten Produkten war noch lange keine Spur. Er gilt als Begründer des Maschinenbaus als Wissenschaft. Geboren im oberösterreichischen Steyr wirkte er am Polytechnikum Karlsruhe als Professor und entwickelte diese in Richtung Technische Hochschule. Gleich mehrere Absolventen Redtenbachers gingen in die Geschichte ein, etwa Eugen Langen, Partner Nikolaus Ottos, Heinrich Buz, MAN-Begründer und Rudolf-Diesel-Förderer, Carl Benz, Emil Skoda, und Oskar Henschel. Redtenbacher systematisierte den Umgang mit Wissen und setzte der französischen (Theoretiker) und englischen (Praktiker) Schule ein neues Ingenieursbild der klugen Verknüpfung von Theorie und Praxis entgegen. Das wirkt bis heute. So müssen etwa japanische Techniker an der Universität als zweite Fremdsprache neben Englisch auch Deutsch lernen (während für Geisteswissenschaftler Französisch Pflicht ist). Ihm zu Ehren und seiner nebenbei entwickelten „Atomtheorie“ komponierte Josef Strauß den Dynamidenwalzer:

Mehr über Redtenbacher in Autorevue 4/2013, Seite 120.


2. Siegfried Marcus:  1831 (Malchin) bis 1898 (Wien)

Das erste Auto?

Dieser Mann war ein ganz Großer der Automobilgeschichte. Der Mechanikermeister aus Mecklenburg-Vorpommern eröffnete 29jährig im 6. Wiener Gemeindebezirk eine Werkstätte und trieb dort seine Forschungen am Benzinmotor voran, während andere noch auf Gasmotoren setzten. Herr Marcus nutzte den Standortvorteil, da in Floridsdorf 1864 gerade eine der ersten Raffinierien der Welt eröffnet wurde und Benzin solcherart in erklecklichen Mengen verfügbar war. Viele Jahre lang wurde er mit seinem Motor, montiert auf einem besseren Leiterwagl, überhaupt als Erfinder des Automobils gehandelt, jedenfalls in Österreich. Aber gegen die deutsche Geschichtsschreibung kamen wir international nicht an.


3. Johann Puc: 1862 (Sakusak) bis 1914 (Zareb)

Geschwindigkeitsweltrekord

Der Slowene Janez Puh, Kleinbauernsohn aus Ptuj, kam als gelernter Schlosser nach Graz und gründete dort als Johann Puch in mehreren Anläufen Fahrradfabriken. 1901 beginnt er mit der Herstellung von Motorrädern, 1909 wird mit einem Puch-Auto der Geschwindigkeitsrekord mit Verbrennungsmotor von 130,4 km/h erzielt (um den Weltrekord für Räderfahrzeuge matchten sich damals noch Elektroauto und Dampfwagen). In der Wirtschaftswunderzeit war die Marke Puch durch Mopeds und den in Fiat-Lizenz gefertigten Puch 500 mit Eigenbau-Motor bekannt. Mit der Übernahme der Steyr Daimler Puch AG durch Frank Stronachs Magna im Jahr 1999 verschwand Puch aus dem Firmennamen. Magna Steyr ist ein Engineering-Unternehmen und Komponentenhersteller und baut in Graz derzeit 150.000 Autos für unterschiedliche Auftraggeber, vorwiegend im Premium-Segment.


4. Carl Gräf: 1871 bis 1939 (Wien)

Frontantrieb

Zu allererst denkt man bei Vorderradantrieb an Citroen, dabei war es Carl Gräf, dem das Patent „auf eine Antriebsvorrichtung für die Lenkräder von Automobilen“ am 30. November 1900 vom K.K. Patentamt erteilt wurde. Die damaligen Werkstoffe der Kardangelenke hielten aber den Beanspruchungen nicht stand, so dass es erst ab 1931 DKW gelang, Fahrzeuge mit Frontantrieb erfolgreich serienmäßig herzustellen. Carl Gräf gründete 1904 gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich und Franz und dem Investor Wilhelm Stift die Gräf und Stift OHG.


5. Gustav Perl

Elektro-Traktor, Kleinwagen

Perl war einer der ganz Großen, über den heute nicht einmal das Geburtsdatum so leicht herauszufinden ist. Seine Nachfahren fungierten zuletzt als Opel-Händler. Gustav Perl wollte nichts Geringeres, als das Autofahren billiger machen als die Bahn und engagierte sich in der Entwicklung von Omnibussen und erschwinglichen Kleiwagen, wobei ziemlich flotte Roadster entstanden. In Folge des damals boomenden Baus von Wasserkraftwerken entwickelte er auch Anfang der 1920er Jahre einen Elektro-Traktor.


6. Ferdinand Porsche:  1875 (Maffersdorf – Vratislavice) bis 1951 (Stuttgart)

Elektroauto und Hybridantrieb

Kaum ein wichtiger Autohersteller seiner Tage, bei dem Herr Porsche Senior nicht irgendwann einmal Chefkonstrukteur gewesen wäre, kaum ein wichtiger Konstrukteur, der Porsche nicht einmal zum Chef hatte. In seiner Zielstrebigkeit ließ er ungern anderen den Vortritt, auch wenn diese schon länger und näher an einer Sache dran waren (etwa Barenyi, VW Käfer). Trotzdem ziehen wir den Hut, denn schon zu Karriere-Beginn leistete er Epochales, das wir in heutigem Licht erst recht wieder zu schätzen wissen: Für die Lohner Werke konstruierte er beeindruckend funktionstaugliche Elektroautos mit Radnabenantrieb, sogar in einer Allrad- (1900) und Hybridversion („Mixte“ 1902). Zugleich war er ein großer Europäer, in dem Sinn, als er je nach Blickwinkel und Bedarf als Deutscher, Tscheche oder Österreicher wahrgenommen wird.


7. Hans Ledwinka: 1878 (Klosterneuburg) bis 1967 (München)

Stromlinienauto

Ein typisches Schicksal der frühen Pioniere des Automobilbaus war es, dass sie ihre Tätigkeit als Österreicher in der Monarchie begannen und sich nach dem Ersten Weltkrieg in der frisch gegründeten Tschechoslowakei wiederfanden. Wie etwa Hans Ledwinka. Geboren in Klosterneuburg, wirkte er als Konstrukteur in der Nesselsdorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft. Aus Nesselsdorf wurde Koprivnice und aus der Wagenbaufabrik wurde Tatra. Ein Höhepunkt nach zahlreichen technischen Revolutionen war Ledwinkas Typ 77 aus dem Jahr 1934, der erste serienmäßige Stromlinienwagen mit luftgekühltem V8-Motor. Sohn Erich Ledwinka konstruierte den Motor des legendären Puch 500 und hat mit dem Haflinger lang vor Piëch den Allradantrieb für zivile Einsätze salonfähig gemacht.


8. Bela Barenyi: 1907 (Hirtenberg) bis 1997 (Böblingen)

Sicherheitsfahrgastzelle

Geboren in Hirtenberg, Niederösterreich, aufgewachsen in Preßburg, heute Bratislava, wurde er mit Gründung der Tschechoslowakei 1918 tschechischer Staatsbürger. Er gewann in der Folge einen Patentstreit gegen Ferdinand Porsche und gilt deshalb als wahrer Vater des VW Käfer. Viel wichtiger ist aber, dass er als Begründer der passiven Sicherheit im Automobilbau in die Geschichte eingegangen ist. Sicherheitsfahrgastzelle und Knautschzone gehen auf ihn zurück. Weniger ruhmreich war im Zweiten Weltkrieg davor seine Mitgliedschaft in der NSDAP.

Die Geschichte „Béla Barényi, der Lebensretter.“ gibt es auf mercedes-benz.com zu lesen.


9. Hans List:

Berechnung und Simulation

Wir erlauben uns, Hans List als Begründer heutiger Simulationsmethoden zu bezeichnen. In der Verknüpfung von theoretischer Berechnung und praktischer Erprobung nimmt der Pionier der systematischen Entwicklung elektronischer Messgeräte, Sensoren und Prüfstände eine Schlüsselrolle in der Automobilgeschichte ein. Sohn Helmut List hat die AVL List zu einem global agierenden Engineering-Unternehmen der obersten Liga ausgebaut.


10. Ferdinand Piëch: geboren 1937 (Wien)

Mister 1001 PS

Man kann ihn bereits unter die ganz Großen einreihen. Der Enkel von Ferdinand Porsche schreibt als kluger Ingenieur (Audi Quattro, 1001-PS-Bugatti, Dreiliter-Auto, Einliter-Auto) und gewiefter Universaltaktiker noch immer persönlich an der Automobilgeschichte mit und ist bei Mitstreitern wie Widersachern gefürchtet für seine strategischen Schachzüge. Das Ziel, Volkswagen zum größten Autobauer der Welt zu machen, ist noch offen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Presseberichte 2013

Zur Veranstaltung anlässlich des 150. Todestages von F. Redtenbacher folgten einige Presseberichte.

  • Oberösterreichische Nachrichten Montag, 15. April 2013, S. 26: "Redtenbacher, Herr der Dynamiden"
  • K1024_OOEN.15.4.2013.2
  • K1024_OOEN.15.4.2013
  • Autorevue 4/2013: "Professor Unser" S. 120-123
  • Bericht.17.10.2013.Tips
  • Bericht.7.11.2013.Tipsbericht
  • K1024_1Autorevue4.2013
  •  Tips 17.10.2013

  • Tips 7.11.2013

  • Standard  27.12.2013

Presseberichte 2011

Zum 2. Redtenbacher Symposium und dem Rahmenprogramm - Schulprojekt "Kartenspiel Steyrer Pioniere" erschienen in den oberösterreichischen Medien einige Berichte.

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Presseberichte 2009

Zum 1. Redtenbacher Symposium erschienen einige grundlegende Artikel in der oberösterreichischen Presse.  Die Wiederkehr des 200. Geburtstages des bedeutenden Steyrer Technikers wurde gebührend gewürdigt. Die Stadt Steyr gab einen Informationsfolder über Ferdinand Redtenbacher heraus.

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Presseberichte 2012


Forschung im Archiv Ledwinka:

Auf den Spuren Hans Ledwinkas

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