Mitteilungen 1. Ausgabe

 Mitteilungen der Redtenbacher Gesellschaft Steyr

www.redtenbacher-steyr.at

 

1. Ausgabe März 2017  

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Sie halten heute die erste Ausgabe der Mitteilungen der Redtenbacher Gesellschaft in den Händen. In diesen Mitteilungen, die von nun an zwei bis dreimal jährlich erscheinen sollen, wollen wir über aktuelle Veranstaltungen und Aktivitäten der Redtenbacher Gesellschaft Steyr informieren. Es sollen darin aber auch essayistische Beiträge oder – wie in dieser Ausgabe – Buchbesprechun­gen veröffentlicht werden, die zu bestimmten Punkten unseres Leitbildes Bezug haben und zur weiteren Diskussion anregen sollen.

 

Ferdinand Redtenbacher, dem die „Culthur des industriellen Publikums“   so sehr am Herzen lag, wäre wohl besorgt über die gegenwärtige Lage der Welt: Zu den schon länger schwelenden sozialen, ökonomischen und ökologischen Problemen unserer industriellen Kultur haben sich nun auch handfeste Krisen in bedeutenden politischen Institutionen gesellt. Von einer “Spaltung der Gesellschaft“ in Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildete, Junge und Alte, Land- und Stadtbewohner etc. ist in diesem Zusammenhang immer häufiger die Rede. Dabei sind sich die meisten Zeitgenossen zumindest in einem Punkt einig: So kann es nicht weitergehen, es muss sich etwas ändern, und zwar etwas Grundsätzliches. Wohin die Reise aber führen soll, darüber besteht freilich keineswegs Einigkeit. Die Vorschläge reichen vom Aufbau einer globalen Zivilgesellschaft bis hin zum altbekannten Konzept der nationalen Abschottung. Die einen sehen in einer radikalen Abkehr von der techno-kapitalistischen Welt­ordnung die Lösung, die anderen in noch mehr Liberalisierung von Wirtschaft und Finanzmärkten. Dazu droht eine Abwendung von den großen Ideen der Aufklärung: Freiheit, Humanität, Demokratie, Vernunft und Toleranz sind vielerorts ernsthaft in Gefahr.

Die Analyse, die Gabor Steingart in seinem neuen Buch „Weltbeben – Leben im Zeitalter der Überforderung“ vornimmt, ist zwar schonungslos, gibt jedoch ein wenig Grund zur Hoffnung, dass sich die Dinge zum Guten wenden können (siehe dazu den Beitrag von Wolfgang Hirschberg). Wir sind weder Apokalyptiker noch Geschichts­deterministen, sondern einfach eine Gruppe von Menschen, die die Entwicklung von Technik und Gesellschaft mit kritischer Wachsamkeit verfolgen. Da die meisten von uns irgendwelche Wurzeln im Milieu des Maschinenbaus haben, sind wir keine Technikfeinde, sondern an einer rationalen Bewertung neuer technologischer Möglichkeiten auf der Basis ethischer Prinzipien interessiert.
„Alle unsere Erfindungen sind nichts als verbesserte Mittel zu einem nicht verbesserten Zweck.“ Man muss diesen pessimistischen Satz von Henry David Thoreau nicht unbedingt teilen, aber den Zweck zu verbessern oder wenigstens zu hinterfragen, scheint durchaus angebracht.

Wir hoffen auf reges Interesse und freuen uns über jede Art der Rückmeldung. Weiterhin laden wir alle Mitglieder, Beiräte und Vorstände zur Verfassung von Beiträgen sowie zur Bekanntgabe von Neuigkeiten und Terminen herzlich ein.

Herzlichst

Florian Grün, Wolfgang Hirschberg, Wolfgang Steiner

Herausgeber

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